08 Nov 2020

Mars: Visuelle Planetenbeobachtung und -Zeichnung

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Liebe Astronomiefreunde,

nachdem die ganze „heiße“ Phase der diesjährigen Marsopposition praktisch komplett an mir vorrüberging, schaffte ich es dieses Wochenende doch endlich wieder, den Dobson im Garten aufzubauen und den roten Planeten in der Nacht vom 6. auf den 7. November zu beobachten.
Tatsächlich hat Mars seit seiner Opposition vor ca. einem Monat seine Entfernung bereits um über 10 Millionen Kilometer vergrößert. Laut Stellarium ist sein scheinbarer Durchmesser in dieser Zeit von 22,6 Bogensekunden auf aktuell ca. 19 Bogensekunden geschrumpft. Trotzdem zeigt er sich bei gutem Seeing noch immer relativ groß und detailreich.
Da ich derzeit über keine geeignete Planetenkamera verfüge, habe ich die vergangene für ausgiebige visuelle Beobachtungen genutzt und dabei auch den Zeichenstift ausgepackt. Beobachtet wurde an meinem 14,5 Zoll ICS Dobson (f/5,2) mit dem 10mm Televue Ethos (= 190fache Vergrößerung) und später sogar kurz mit dem 6mm Televue Ethos (= 320fache Vergrößerung). Mit zunehmendem Aufstieg in den Süden wurde das Seeing ab 22 Uhr für mindestens 2 Stunden deutlich besser, wenn auch nicht perfekt. Der Himmel blieb zwar klar, aber es schlug sich dennoch jede Menge Feuchtigkeit auf dem Gerät nieder, die praktisch sofort überfror. Zeitweise musste ich die Fangspiegelheizung aktivieren.
Beim Skizzieren der Planetenoberfläche fiel mir wieder ein, wie schnell Mars doch rotiert! Bereits nach einer halben Stunde, die beim Beobachten plus Skizzieren ruckzuck vergeht, ist die markante Große Syrte (eine ausgeprägte, deutlich sichtbare Dunkelstruktur) deutlich vom Planetenrand aus in Richtung Planetenmitte gewandert. Somit bleibt nicht viel Zeit, um sich die beobachteten Details zu merken und so genau wie möglich zu skizzieren und zu notieren.
Letzlich konnte ich mit zwei Zeichnungen die an diesem Abend am deutlichsten sichtbaren Details sowie die schnelle Oberflächenrotation dokumentieren. Neben Syrtis Major, der winzigen Südpolkappe und dem hellen, ovalen Planitiabecken fielen später am unteren, d.h. nördlichen Pol, noch sehr deutlich hellere, weißliche Polarwolken auf. Die genaue Struktur und Form zu erfassen fiel mir nicht leicht, da sie praktisch nur den „Planetenrand“ aufhellten und sich auch binnen einer Stunde zu verändern schienen.


14,5″ ICS GND Dobson: Spiegelteleskop für die visuelle Marsbeobachtung (und natürlich mehr!)


Grob- und Reinskizzen mit weichem Graphit-/Bleistift, Wischer und Radierstift. Notizen sind ebenfalls wichtig!


Die Zeichnungen können mit etwas Erfahrung in der Bildbearbeitung relativ einfach digitalisiert und nach dem Gedächtnis eingefärbt werden (Planetenfarbe, schwarzer Himmelshintergrund, Kontrasteinstellung…)

Und schließlich das finale Ergebnis:

Version ohne Beschriftungen

Viel Erfolg bei der Planetenbeobachtung und klaren Himmel wünscht Euch

Peter Maier

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